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Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2011
Jörg schrieb am 24. Dezember 2010 unter Allgemein


weihnachten

Gibt es den Weihnachtsmann?

Die achtjährige Virginia aus New York wollte es ganz genau wissen. Darum schrieb sie an die Tageszeitung New York Sun einen Brief:

Ich bin 8 Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen,
es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der
Sun steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir: Gibt
es einen Weihnachtsmann?
Virginia O’Hanlon

Der Chefredakteur Francis Church antwortete selber auf Virginias Anfrage – auf der Titelseite der Sun:

Virginia,
Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie glauben
nur was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben
kann, was sie mit Ihrem kleinen Geist nicht erfassen
können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem
Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall
verliert
er sich wie ein winziges Insekt.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt
ihn
so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue.
Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und
heiter
sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen
Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia,
keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das
Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an
sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der
Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.
Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch
den Märchen nicht glauben.
Gewiss, Du könntest deinen Papa bitten, er solle am
Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weichnachtsmann
zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den
Weichnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen?
Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar
nichts.
Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die
Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen.
Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken -
geschweige denn sie zu sehen -, das vermag nicht der
Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst
nie
alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach
den schönsten Farbfiguren suchen. Du wirst einige
bunte
Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen
Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen
Schleier, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt
zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können
ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit
dahinter zu erkennen sein.
“Ist das denn auch wahr?” kannst Du fragen.
Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und
nichts beständiger. Der Weihnachtsmann lebt, und er
wird ewig leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren
wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene
Herz mit Freude zu erfüllen.
Frohe Weihnacht, Virginia.
Dein Francis Church.

PS: Der Briefwechsel zwischen Virginia O’Hanlon
und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897. Er
wurde über ein halbes Jahrhundert, alle Jahre wieder
zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung
gedruckt. Die Sun wurde 1950 eingestellt.

Wir wünschen allen Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2011 !



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